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[23.09.2009]

Merck KGaA sorgt an der Börse mit Studien zu Erbitux für Wechselbad der Gefühle


ROUNDUP: Merck KGaA sorgt mit Studien zu Erbitux für Wechselbad der Gefühle

DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat mit Studiendaten zu seinem wichtigen Umsatzträger Erbitux die Anleger in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt. Während Merck am Mittwochmorgen Studienergebnisse vorlegte, nach denen die Hinzugabe von Erbitux zu einer Standardchemotherapie die Gesamtüberlebenszeit von Darmkrebspatienten signifikant verlängere, konnte Erbitux in einer am Nachmittag veröffentlichten Studie des britischen Medical Research Council (MRC) nicht mit einer Verlängerung des Gesamtüberlebens punkten.

In der Onkologie, der Krebsforschung, stellt die Verlängerung der Überlebenszeit bei den teilweise sehr aggressiven und schwer zu behandelnden Krebsformen bereits einen Erfolg dar. Die Merck-Aktie gab nach Veröffentlichung der jüngsten Daten deutlich nach. Am Vormittag war das Papier nach der Veröffentlichung der vergleichsweise guten Daten zu Erbitux noch um bis zu drei Prozent gestiegen.

UNTERSCHIEDLICHE STUDIENERGEBNISSE

Beide Veröffentlichungen wurden auf dem gemeinsamen 15. Kongress der European Cancer Organisation (ECCO) und dem 34. Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Berlin vorgestellt. Die unabhängige Coin-Studie des MRC sollte bewerten, ob die Hinzunahme von Erbitux zu einer von zwei Chemotherapien bei nicht vorbehandelten Patienten mit Darmkrebs und Kras-Wildtyp-Tumoren die Ergebnisse verbessere. Mit 17 Monaten lag die mittlere Überlebenszeit in der Erbitux-Gruppe jedoch fast gleichauf mit der Gruppe ohne Erbitux (17,9), was statistisch nicht signifikant ist.

Ganz anders die Merck-Studie: Bei Patienten mit Kras-Wildtyp-Tumoren, die Erbitux sowie die Chemotherapie Folfiri erhielten, sei die mittlere Gesamtüberlebenszeit auf 23,5 Monate gestiegen. Bei Patienten, die nur eine Chemotherapie alleine erhielten, lag sie bei 20 Monaten. Es würden weitere Analysen vorgenommen, um festzustellen, warum die Coin-Ergebnisse nicht mit den anderen Studienergebnissen zu Erbitux in der Erstlinientherapie bei Darmkrebs übereinstimmten.

ZWEITWICHTIGSTER UMSATZBRINGER

Erbitux ist nach dem Multiple-Sklerose-Mittel Rebif der zweitwichtigste Umsatzbringer für die Pharmasparte der Darmstädter Merck KGaA. Das Medikament, das Merck 2008 einen Umsatz von rund 560 Millionen Euro in die Kasse spülte, ist bereits in 78 Ländern zur Behandlung von Darmkrebs und in 72 Ländern zur Behandlung des Plattenepithelkrebses des Kopfes und Halses auf dem Markt. Erbitux von Merck konkurriert unter anderem mit Avastin des Schweizer Pharmakonzerns Roche und mit Vectibix dem weltgrößten Biotech-Konzerns Amgen .

Onkologie-Chef Wolfgang Wein erwartet für das Schlüsselmedikament einen weitere Umsatzzuwachs: \"Wir erwarten, dass wir mit Erbitux im Feld der Wettbewerber eine herausragende Position einnehmen können.\" Wein leitet das Onkologie-Geschäft bei der größten Merck-Sparte, Merck Serono. Weil eine Entscheidung gegen ein im Juli gefälltes Votum eines Beraterausschusses der EMEA noch aussteht, bei der es um die Anwendung von Erbitux bei Lungenkrebs geht, wagte Wein für 2009 keine konkrete Umsatzprognose für das Medikament. Das Ziel, bis 2011 mit Erbitux Milliardenumsätze zu erzielen, werde sich \"eindeutig verzögern\", hatte ein Merck-Sprecher nach der Entscheidung des Ausschusses gesagt. Analysten von Sal. Oppenheim und der Commerzbank rechnen damit, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMEA spätestens Ende des Jahres über den Einspruch von Merck entscheiden wird.

MARKT WÄCHST RASANT

Das Geschäft mit Krebsmedikamenten hat sich zum attraktivsten Segment der Pharmabranche entwickelt. Onkologie ist ein rasant wachsender Markt, der nach den Schätzungen des Branchendienstes IMS Health weltweit einen Umsatz von 75 bis 80 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 nach rund 41 Milliarden Dollar 2007 erreichen könnte. Um eine Zulassung zu bekommen, müssen Medikamente heute der besten bereits etablierten Therapie, dem Goldstandard, überlegen sein. Nur wenn ein Zusatznutzen besteht, die Patienten also im Falle von Krebs länger leben, geben die Behörden ihre Zusage. Das National Institute for Health and Clinical Excelence (Nice) in England beispielsweise erstattet in der Regel Therapien, die nicht deutlich mehr als 35.000 Euro im Jahr kosten./ep/stw



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