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[09.11.2009]

GPC jetz Agennix AG : Friedrich von Bohlen wieder im Geschäft


FRANKFURT. In Gestalt der neu formierten Agennix AG vollzog am Freitag die einstige GPC Biotech eine Art Renaissance an der Börse. Zugleich kehrte mit Friedrich von Bohlen ein Manager ins operative Geschäft zurück, der Anfang des Jahrzehnts als Chef von Lion Bioscience sowohl für den größten IPO der deutschen Biotechbranche als auch für einen ihrer größten Flops verantwortlich war.

Als Geschäftsführer der Dievini Hopp Biotech Holding betreut der 47-jährige seit einigen Jahren die zahlreichen Biotech-Engagements des SAP-Gründers und GPC-Großaktionärs Dietmar Hopp. Die Führung von Agennix hat er interimsweise für maximal neun Monate übernommen, bis ein CEO gefunden ist.

In seiner neuen Rolle steuert von Bohlen gewissermaßen den dritten Versuch von GPC, doch noch erfolgreich zu werden – nachdem das Unternehmen zuvor sowohl in der Genomforschung als auch mit der Entwicklung eines Krebs-Wirkstoffes scheiterte. Der Werdegang von Agennix/GPC ist insofern ein anschauliches Beispiel für die verschlungenen Wege und Irrwege im Biotech-Geschäft.

Formal entstand die Agennix AG im Zuge eines „Reverse Triangular Mergers“ aus einer Neugründung, die GPC-Großaktionär Dietmar Hopp zunächst mit 15 Mio Euro Kapital ausstattete. Anschließend wurde die US-Firma Agennix Inc. im Wege einer Sachkapitalerhöhung eingebracht und in einem dritten Schritt schließlich GPC auf die neue Firma verschmolzen. Die bisherigen GPC-Aktionäre erhielten dabei für je fünf alte Anteile eine neue Aktie. Größter Anteilseigner des neuen Unternehmens ist die Familie von Agennix-Gründer Gordon Cain mit 26 Prozent, knapp 20 Prozent hält Hopp, 4,9 Prozent der niederländische Chemiekonzern DSM, der auch das Hauptprodukt von Agennix produziert.

Biotech-Manöver

In der Biotech-Szene gehören solche Fusionen zu den gängigen Manövern, um Firmen mit Restbeständen an Cash (und Verlustvorträgen) und Einheiten mit noch intakten Forschungs-Projekten zusammenzubringen. Auf ähnliche Weise hatte Hopp vor zwei Jahren die Heidelberger Axaron mit der operativ ausgebluteten Lion Bioscience verschmolzen, um daraus Sygnis zu formen. Die Münchner Micromet fusionierte mit der erfolglosen US-Firma Cancervax und vollzog auf diese Weise ein Listing an der Nasdaq.

Die einst als Genomforschungsfirma gegründete GPC hatte ihre operative Basis verloren, nachdem das Krebsmittel Satraplatin 2008 an der Zulassung scheiterte. Die Münchner Firma büßte mehr als 90 Prozent ihres Börsenwerts ein und entließ 80 Prozent der Belegschaft. Ohne neue Produktkandidaten hatte sie kaum eine Chance auf Weiterbestand.

Der neue Hoffnungsträger heißt nun Talactoferrin. Es handelt sich um die gentechnische Modifikation eines Milcheiweißes, das in relativ hoher Konzentration in der Muttermilch vorhanden ist und offenbar positiv auf das Immunsystem wirkt. Die Substanz sollte ursprünglich als Zusatz zu Babynahrung entwickelt werden. Anfang des Jahrzehnts schwenkten die US-Forscher aber auf den Einsatz in der Krebstherapie um. Inzwischen wurde Talactoferrin in Phase-II-Studien erfolgreich gegen Lungenkrebs getestet und zeigte dabei, so von Bohlen, nicht nur deutliche Überlebensvorteile für die Patienten, sondern auch eine besonders gute Verträglichkeit. Geplant sind nun zwei große, zulassungsrelevante Phase-III-Studien, zum einen in der Monotherapie bei Lungenkrebspatienten, die bereits mindestens zwei erfolglose Behandlungen mit etablierten Medikamenten hinter sich haben, zum anderen in der Erstbehandlung in Kombination mit Chemotherapeutika.

„Die Erfahrungen der GPC-Mannschaft im Bereich der Phase-III-Studien und in der Partnersuche bieten eine fruchtbare Ergänzung für die bisher ausschließlich auf die Produktentwicklung konzentrierte Aggenix“, zeigt sich Interimschef von Bohlen überzeugt. Ziel ist es, 2010 einen Lizenzpartner zu finden.

Externe Fachleute beurteilen die Erfolgsaussichten für Agennix mit beträchtlicher Skepsis. „Es handelt sich um einen völlig neuen Ansatz ohne Klarheit, wie wissenschaftlich fundiert die Entwicklung ist“, so Cornelia Thomas, Pharmaanalystin der WestLB. Daten aus den neuen Studien sind erst für Ende 2011 in Sicht. Dass Pharmafirmen trotz der augenscheinlich guten Phase-II-Daten bisher kein Interesse zeigten, gilt als verdächtig. Von Bohlen erklärt das damit, dass Agennix in der Vergangenheit gar keine aktive Partnersuche betrieben habe.

Viel Zeit, das Versäumnis nachzuholen, bleibt ihm nicht. Die liquiden Mittel von knapp 18 Mio Euro reichen noch bis Mitte 2010. Spätestens dann braucht Agennix entweder einen Partner oder neues Kapital.

Gefragter Finanzier

Eine größere Börsenplatzierung betrachten Analysten angesichts der Historie von GPC als schwierig. Und ob Finanzier Dietmar Hopp abermals bereit steht, gilt als unsicher. Denn seine Finanzkraft dürfte im kommenden Jahr auch bei anderen Biotechunternehmen in seinem Portfolio gefragt sein, etwa bei der ebenfalls in der Krebsforschung engagierten Wilex. Zudem deutet sich an, dass der SAP-Gründer generell kritischer auf seine Industrie-Engagements schaut. Immerhin kann Agennix den ersten Börsentag als Erfolg verbuchen. Die Marktkapitalisierung erreichte knapp 130 Mio Euro. Mit knapp sieben Euro notierte die Agennix-Aktie am Freitagabend um rund 20 Prozent über dem Wert, der sich rein rechnerisch aus dem letzte Kurs von GPC ergeben hätte.



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