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[30.11.2009]

FDA-Nein trifft Merck völlig unvorbereitet


Beim Darmstädter Pharmakonzern Merck liefen die Vorbereitungen für den Marktstart des MS-Mittels Cladribin in den USA auf Hochtouren. Alles schien in trockenen Tüchern. Umso größer ist der Schock über das Nein der US-Gesundheitsbehörde.
 Binnen weniger Minuten fiel die Merck-Aktie am Montagnachmittag wie ein Stein um 4,8 Prozent in die Tiefe. Anleger reagierten entsetzt auf die Meldung, die US-Gesundheitsbehörde FDA habe den Zulassungsantrag für Mercks MS-Mittel Cladribin zurückgewiesen.

Doch nicht nur der Markt, auch Merck selbst war bislang von einem positiven Bescheid der FDA ausgegangen: Nach jüngsten Aussagen des Finanzvorstands Michael Becker bereitete sich Merck auf den Marktstart von Cladribin vor. \"Wenn wir eine Zulassung bekommen, werden wir auch 2010 mit dem Produkt auf den Markt gehen\", hatte er noch im Oktober gesagt.
Kein endgültiges Aus für Merck
Das Unternehmen kündigte nun am Montag an, es werde eng mit der FDA zusammenarbeiten, \"um die Bedenken der FDA voll zu verstehen\". Es werde sich zeigen, was die Behörde für die erneute Beantragung der Zulassung verlange.

Tatsächlich stelle der negative FDA-Bescheid keineswegs das endgültige Aus für das Medikament dar, meint auch Analyst Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Allerdings werde dadurch die Martktfähigkeit deutlich verzögert.

Mittel mit Blockbuster-Qualitäten
Cladribin gilt als einer der ganz großen Hoffnungsträger der Merck\'schen Pharmasparte. Es wäre das erste MS-Mittel in Tablettenform gewesen. Weltweit leiden bis zu 2,5 Millionen Menschen an der unheilbaren Krankheit, die das zentrale Nervensystem angreift.

Das Volumen des Marktes zur Behandlung von MS wird auf 8,6 Milliarden Dollar geschätzt. Analysten trauten Cladribin daher Umsätze von bis zu 1,8 Milliarden Euro zu. Ab jährlichen Erlösen in Höhe von einer Milliarde Dollar spricht man von einem Blockbuster.

Absage mit Signalwirkung?
Nun befürchten einige Händler, die Nichtzulassung in den USA könne auch negative Auswirkungen auf den europäischen Genehmigungsprozess haben. Merck hatte bereits im Juli bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA einen Antrag auf Marktzulassung gestellt.

Des einen Freud ist des anderen Leid – dieser Spruch gilt auch an der Börse: Während die Merck-Aktie einbricht, reagieren die Anteilsscheine der Konkurrenten Novartis und Biogen Idec mit Kurssteigerungen auf das FDA-Nein zu Cladribin. Beide Unternehmen arbeiten ebenfalls an MS-Medikamenten in Tablettenform.
ag


 
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