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[01.03.2010] Merck Kauf Millipore
FRANKFURT. Der Darmstädter Merck-Konzern setzt zu einem weiteren Expansionsschritt an und will seine Spezialchemiesparte mit der Übernahme des amerikanischen Laborzulieferers Millipore für umgerechnet 5,3 Mrd. Euro (rund 7,2 Mrd. Dollar) stärken. Es handelt sich um die zweitgrößte Übernahme in der Geschichte von Merck, nach dem gut zehn Mrd. Euro teuren Kauf des Schweizer Pharma- und Biotechunternehmens Serono vor vier Jahren. Millipore produziert Verbrauchsmaterialien und Instrumente für biochemische Labore und biotechnische Produktion und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,65 Mrd. Dollar. Durch den Zukauf erweitert Merck das bestehende Geschäft mit Reagenzien für Pharmafirmen und Forschungslabore, das zuletzt knapp eine Mrd. Euro Umsatz erzielte. Der Darmstädter Konzern strebt seit längerem eine Stärkung seines Chemiegeschäfts an, um hier die Abhängigkeit vom Bereich Flüssigkristalle für Flachbildschirme zu mindern, der bislang den Löwenanteil der Chemiegewinne liefert. Durch die Übernahme soll sich der Anteil des Chemiegeschäfts am Gesamtumsatz von derzeit 25 Prozent auf 35 Prozent erhöhen. Reagenzien und andere Produkte für die Life-Science-Industrien sollen künftig rund 2,1 Mrd. Euro zum Gesamtumsatz von 8,9 Mrd. Euro beitragen. Merck erhofft sich neue Wachstumschancen
durch die Erweiterung des Laborgeschäfts, vor allem auch als Zulieferer für
biotechnische Pharma-Produktionsanlagen. Millipore gilt auf diesem Gebiet als
relativ stark positioniert durch seine Expertise bei speziellen Filtern und
Membranen. Biotech-Medikamente gelten als vergleichsweise starkes
Wachstumssegment im Pharmabereich. Es geht dabei um Wirkstoffe, die nicht über
eine klassische Chemiesynthese produziert werden, sondern mit Hilfe von
genmodifizierten Mikroorganismen oder Zell-Linien. Merck selbst gehört auf
diesem Gebiet mit seinen Pharmaprodukten Rebif (gegen Multiple Sklerose) und
Erbitux (Krebs) zu den wichtigen Anbietern. Allerdings greift der Konzern für den Zukauf in den USA relativ tief in die Tasche. Er bezahlt immerhin mehr als das Vierfache des Umsatzes, 18 Mal den Betriebsgewinn vor Abscheibungen (Ebitda) und rund das 40-fache des letzten Netto-Gewinns von Millipore. Gegenüber dem letzten Börsenkurs von Millipore. Das ist deutlich mehr, als derzeit etwa im klassischen Chemiegeschäft für Übernahmen auf den Tisch gelegt wird. Auch die meisten Pharmafirmen sind wesentlich billiger zu haben. Die US-Konzerne Pfizer und Merck & Co etwa zahlten für ihre jüngsten großen Zukäufe weniger als das Zehnfache des Ebitda. Gegenüber dem letzten Börsenkurs des US-Unternehmens bietet Merck einen Aufschlag von rund 14 Prozent. Allerdings hatte die Aktie von Millipore seit Mitte Februar bereits rund 30 Prozent zugelegt, nachdem Verkaufsgerüchte aufgekommen waren. Als Hauptinteressent wurde dabei der Laborzulieferer Thermo Fisher Scientific gehandelt, der nach unbestätigten Medienberichten 95 Dollar je Aktie geboten haben soll. Finanzieren will Merck die Millipore-Übernahme mit besehenden Barmitteln und einem Darlehen, das von Merrill Lynch, BNP Paribas und Commerzbank zur Verfügung gestellt wird. Einen Teil der Finanzierung will Merck später durch Anleihen ablösen. Der Darmstädter Konzern erzielte 2009 rund 7,7 Mrd. Euro Umsatz und einen frei verfügbaren Cash Flow von rund 800 Mio. Euro. Zum Jahresende wies er in der Bilanz rund zwei Mrd. Euro an flüssigen Mitteln aus. Die Netto-Verschuldung lag bei weniger als 100 Mio. Euro. www.handelsblatt.de |
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